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| Pokale,
Shows und Titel - der Jahrmarkt der Eitelkeiten |
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Ein kleines Kompendium für Laien |
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Wer Katzen (oder auch andere Tiere) züchtet, will natürlich auch wissen, ob seine "Kinder" dem entsprechen, was man sich unter der Rasse vorstellt (oder vorzustellen hat). Und wer ausstellt, will natürlich auch seinen Punkt machen. Und wer seinen Punkt hat, will natürlich noch mehr ... Einige Zeit hat es auch bei uns gedauert, bis wir erkant haben: Da entfaltet sich Woche für Woche mindestens an einem Ort in Deutschland ein regelrechter Jahrmarkt der Eitelkeiten, bei dem es häufig nur zweitrangig um eine Zucht-Leistungsbewertung geht. Zwischen 80 und 500 Vierbeiner sollen dort für ihre Besitzer Ruhm sammeln - sei es der Best in Show-Titel, sei es der dringend notwendige Punkt, um in der Titel-Hierarchie eins höher zu steigen oder auch nur dem konkurrierenden Züchter ein Schnippchen zu schlagen. Sollte es Sie einmal zu einer solchen Show ziehen - vielleicht auf der Suche nach einem künftigen Mitbewohner, vielleicht auch einfach so aus Neugierde - dann sollten Sie zunächst mal nicht vergessen: Nehmen Sie diesen Zirkus nicht zu ernst. Wenn Sie vor einer Schwemme an Zertifikaten und Pokalen stehen, sollten Sie sich nicht von schön klingenden Titeln wie Europa- oder gar Welt-Champions beeindrucken lassen. Zusätzlich variiert die Qualität der verschiedenen Ausstellungen je mach Verein und Richter. Sollten Sie also von einer Show enttäuscht sein, kann die nächste nur besser sein. Gehen Sie erst mal davon aus: Auch wenn die Titel und Zertifikate gleichartig großartig klingen - es liegen selbst im gleichen Verein/Dachverband manchmal Welten dazwischen (auch wenn die Funktionäre das gar nicht gerne hören). Lust bekommen auf einen Blick hinter die Kulissen, hinter die Scheinwelt dieses Jahrmarkts der Eitelkeiten, Lust auf einen Besuch in der Manege des Wanderzirkus? Wir hoffen, das Kompendium ist ein wenig hilfreich auch dafür, wenn Sie sich eines Tages eine Rassekatze anschaffen und nicht gleich jedem Züchterlatein auf den Leim gehen wollen. Regel Nr. 1: Nichts ist so hässlich als dass nicht doch noch ein gutes Wort gefunden werden kann. Kosmetik ist alles. Als ob manche Puderwolken, die vor den Käfigen vor dem großen Auftritt die Luft austrocknen, auch die Urteilskraft eintrüben. Das fängt beispielsweise schon bei der Bewertung der Katzen durch den Richter an Die Skala fängt bei gut an, geht über sehr gut, vorzüglich bis hin zum Zertifikat, dem eigentlich wichtigen Punkt - und endet bei Zusatzauszeichnungen wie Best in Varietät oder Nomination. Haben Sie sich als Laie auch schon mal gefragt, was dahinter steht? Keine Angst, kommt gleich. "Gut" jedenfalls ... da freut sich der Ahnungslose schon mal: Wer will nicht eine "gute" Katze haben. Weit gefehlt - ein solches Tier ist knapp an der Disqualifikation vorbeigeschrammt. Immerhin: Meist lässt sich an einem solchen Zeugnis schon die Unlust des Richters ablesen, ein solches zuchtuntaugliches Tier überhaupt bewerten zu müssen. "Sehr gut" ist auch nicht viel besser - immerhin sehen da die Zeugnisse meist freundlicher aus. Offensichtlich so freundlich, dass ahnungslose Newcomer stolz auf ihren "Erfolg" sogar auf der Show damit hausieren, bevor sie ein mitleidiger Mitaussteller auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Die verdutzte Rückfrage: "Aber das Zeugnis sieht doch so gut aus" offenbart: die "Geheimsprache" hat ein neues Opfer gefunden. Und diese "Geheimsprache" (man erinnere sich an die Arbeitszeugnisse) wird um so diffiziler, je höher man in der Hierarchie der Bewertung kommt. Zu nahe liegen da häufig die zu verteilenden Punkte auch aneinander als dass sich ein Richter auf einen besonderen Bereich festlegen will (es sei denn, die Fehler sind all zu offensichtlich). Fast deckungsgleich sind oft die Bewertungen für einen späteren Best-in-Show-Gewinner und für einen, der mit einem "V1 ohne" schmachvoll sein Zertifikat verpasst hat. Nur an der Länge der Gesichter (und der Lautstärke des Unverständnisses) können Sie als Laie dann ablesen, was Sache ist. Viele freie Verbände umgehen die ihnen offensichtlich unangenehme Diskussion von Zeugnissen übrigens sehr geschickt damit, dass die erst kurz vor Ende der Austellung verteilt werden. Sinngemäße Antwort der Vorsitzenden eines Zuchtverbands, warum die Bewertungen denn nicht ehrlicher in die Zeugnisse aufgenommen würden: "Wir wollen die Aussteller doch nicht verschrecken. Wir möchten doch, dass sie wiederkommen". Irgendjemand muss schließlich den Löwenanteil der Kosten für die Ausstellung finanzieren ... da lässt man auch die hoffnungslosen Fälle träumen. Regel Nummer 2: Die Neidschwelle kann gar nicht tief genug liegen. Wenns an die richtige Punkte-Verteilung geht, wirds richtig ernst - dagegen wirken selbst die bitterernsten Rituale des kölschen Karnevals wie eine Ausgeburt an harmonischer Spontaneität, der Narhalla-Marsch wie der aktuelle Tageshit. Blättern Sie einfach weiter ....
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